‹Misadventure› Craig Fisher / ‹Tattoos› Adrian Koerfer

19.3.-10.5.08

Die aktuelle Ausstellung bringt zwei künstlerische Positionen zusammen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Auf der einen Seite sind da die Werke des vornehmlich textil-skulptural arbeitenden Engländers Craig Fisher, auf der anderen die subtilen, kleinformatigen Fotografien des Deutschen Adrian Koerfer. Auch die beiden verschiedenen Titel lassen einen zum Schluss kommen, es handle sich um zwei voneinander losgelöste Einzelprojekte. Das stimmt zwar; doch ergeben sich beim genaueren Hinschauen immer mehr und neue Berührungspunkte in den Werken; ja, manchmal wirken die Arbeiten gar als Schlüssel zum Verständnis der anderen.


Craig Fisher ist in einer Textilfamilie gross geworden und wählte im Sportbereich eingesetzte Spezialtextilien für die materielle Ausformung seiner Werke. Die minutiös gefertigten Objekte, meistens noch liebevoll mit aufwändigen Pailletten oder Knopfapplikationen versehen, kokettieren mit der Ästhetik von Comicbänden oder Zeichentrickfilmen. Erst beim zweiten Blick entpuppen sie sich als bitterböse Ausformung von Verbrechen, Gewalt, Mord- und Totschlag. Alle skulpturalen Objekte entwickelt Craig Fisher aus einfachen Skizzen, die im Laufe der Ausarbeitung selber zu eigenständigen Zeichnungen werden. Der unverhohlen britisch-sarkastische Humor ist allen Arbeiten gemeinsam, ebenso die zum Teil völlig absurden Werkkonstellationen. Die Blutspritzer schimmern hyperästhetisch, die gedrungenen, zur Tat völlig untauglichen Pistolen und Messer wirken fast lächerlich. Der Kotzfleck mit seiner schimmernden Paillettenoberfläche mutiert vom Ekel erregenden ‹Tatbestand› zu einem wunderschönen Wand- und Bodenobjekt und versprüht mit einem Mal Glamour. Craig Fishers Arbeiten können nicht in ein gängiges Kunstmuster eingeordnet werden. Stets loten sie die Grenzbereiche zu Design, Populärkultur und Comic aus und vermengen die verschiede-nen Genres zu einem eigenständigen Ganzen, zu einem selbstreferentiellen, absurden Sammelsurium von Kurzgeschichten unserer Zeit.


Genau an diesem Punkt nun finden sich inhaltliche Berührungspunkte mit Adrian Koerfers Fotografien. Unprätentiös versammelt er visuelle Fundstücke aus seinem Alltag zu einem Panoptikum seiner unmittelbaren Umgebung. Meist verwischt der Künstler die Grenzen zwischen Mikro- und Makrokosmos und lässt einen eintauchen in einen diffusen Zwischenraum, eine vermeintlich neue Welt. Doch das Zelebrieren teils absurder Momentaufnahmen zeigt denn auch deutlich auf, wie weit die Bilder von reinen Schnappschüssen entfernt sind. Es geht um eine Überhöhung des ständigen ‹Jetzt›, bei der sich rätselhafte Kompositionen in Bagatellen auflösen oder aber zu einem neuen Kosmos ordnen. Unwichtigem gibt Adrian Koerfer eine besondere Präsenz, vermeintlich Wichtiges, etwa die verschiedenen Selbstporträts, löst er auf und rückt sie, im wahrsten Sinne des Wortes in neues, auch schiefes Licht. Die Serie trägt den Titel ‹Tattoos›, wohl, weil den Bildern unbekannte Geschichten eingeschrieben sind. Ähnlich einer Tätowierung ritzt der Künstler die Einzelbilder auf den Grund der Serie, auf die Basis des Lebens. Die Bilder werden zu Fixpunkten des eigenen Selbst und somit zu einer Art visueller Tagebucheinträge.

Bernhard Bischoff, März 2008