«unlimited»: relax (chiarenza & hauser & croptier)

13.10.–24.11.01

Das Künstlerkollektiv «relax» (chiarenza & hauser & croptier) untersucht in seiner Thuner Ausstellung einmal mehr die unterschiedlichen Lesarten von «Wert», materiellem und immateriellem. Die Ausstellung setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die in ihrer vermeintlichen Verschiedenheit bestens unter einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. «relax» bespielt alle Räume der Galerie und setzt mit «le canard à l‘orange» einen von weitem sichtbaren Akzent auf der direkt an der Aare gelegenen, grossen Terrasse der Galerie.

«relax»: Einfach humorvoll tiefgründig...

 

«unlimited», 2001

Rauminstallation mit Wandmalereien, MDF-Halterungen, Papier

relax startete in diesem Jahr das Projekt, an alle Kunstsammlungen der Welt Rechnungen zu verschicken, deren Begleichung als Kaufakt für ein «unbegrenztes» Kunstwerk angesehen wird. Ein neuer konzeptueller Geniestreich der drei KünstlerInnen. Einfache Podeste an der Wand erinnern an die funktionelle Möblierung in Postämtern; sie sind ausgestattet mit eigens gefertigten Einzahlungsscheinen. Daneben befinden sich Wandmalereien von Rechnungen. Die Arbeit ist ein tiefgrün-diges Heranpirschen an Walter Benjamins alte Frage nach dem Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und eine kritische Infragestellung eines stereotypen, patriarchalischen Wertbegriffs.

 

«unlimited_G», 2001

Edition auf Normalpapier, 106 x 209 mm

Für die Galerie Bernhard Bischoff weiterentwickelte Version des Einzahlungsscheines. Nach dem Abstempeln am Postschalter werden die KäuferInnen BesitzerInnen des Coupons.

 

«revolution», 2001

Video, 3‘20‘‘

Die Videoprojektion «revolution» füllt den zentralen Gang der Galerie aus. Papier fliegt wallend durch die Luft. Es sind fallende Blätter, fallende Kurse, fallende Hoffnungen. Papier wird revolutioniert, wörtlich übersetzt «umgewälzt». Das Video hat neben seiner sehr ästhetischen Komponente einen bitterbösen, politischen Unterton: Wo passieren «Revolutionen», in abgelegenen Drittweltländern oder in den Chefetagen internationaler Konzerne?

 

«flying money», 2001

Installation mit Ventilatoren, Geld, Käfig

Mittels Ventilatoren wirbelt Geld in einem Käfig herum. Obwohl dauernd angetrieben, kann das Geld den vorgegebenen Rahmen nicht verlassen, bleibt in seinem eigenen geschlossenen Kreislauf.

 

«tache», 2001

Teppich, Metall

Normalerweise findet man auf hässlichen Massenware-Teppichen Kaffeeflecken oder ähnliche Verunreinigungen. relax «verschmutzte» den Teppich mit Metall – mit echtem Silber. Ist es nun einfach ein ekelhafter Fleck, wie jeder andere auch, oder aber ein besonderer Fleck, nur weil er aus Silber besteht? Ist der Teppich nun ein wertvolles Schmuckstück, das vor den Augen der BetrachterInnen liegt?

 

«le canard à l‘orange», 2000

Maschine, Brotkugeln, Enten

Auf der Terrasse der Galerie, direkt am Ufer der blau-grünen Aare, steht eine orangene Maschine. Zu jeder vollen Stunde am Nachmittag «spuckt» sie Brotbälle aus, die von den gierigen Enten verspiesen werden. «le canard à l‘orange», 2000

 

«videolounge», 1994-2001

4 Videos

«piggy bank» (11‘) zeigt die Fütterung eines Sparschweines. Unersättlich frisst es das Geld, sammelt Zins und Zinseszins, «Airport» (3‘) hinterfragt den Betrieb auf Flughäfen, «stars» (1‘33‘‘) und «pinch» (4‘38‘‘) befassen sich mit dem weiten Problemkreis des KünstlerInnendaseins...

 

Bernhard Bischoff, Oktober 2001