‹Venez voir› - Samuel Blaser, Caspar Martig, Annina Matter, Urs Zahn

9.10.-21.11.09

‹Venez voir› vereinigt vier junge Berner Kunstschaffende aus verschiedenen Disziplinen. Die Aufforderung zum neugierigen Schauen ist wörtlich gemeint, stellen doch drei von ihnen zum ersten Mal in der Galerie aus. Einzig Urs Zahn haben wir bereits einmal in einem Projekt gezeigt; wir begleiten alle aber schon seit einigen Jahren. Die Arbeiten könnten unterschiedlicher nicht sein; und doch ergeben sich zahlreiche Parallelen und Schnittstellen. Bei allen stehen liebevoll komponierte Arrangements im Vordergrund; Mal mit Pinsel, dann mit Fotografie oder auch Mal dreidimensional umgesetzt. Und so spürt man denn auch die Seelenverwandtschaft trotz grosser thematischer und materieller Individualität. Entstanden ist eine Accrochage mit Werken einer Meisterin und drei Meistern ihres Fachs, eine Dialogsituation über Sparten hinweg, ein Aufeinandertreffen sich ergänzender Positionen, ein Raum, um ergründend zu schauen.

Samuel Blasers Ölbilder sind komponiert, zusammengesetzt aus gefundenen Versatzstücken. Meist sind es Fotografien, die er von seinen Wanderungen und Reisen mitbringt; manchmal sind es aber auch ferne Erinnerungen, die zum Bild verschmolzen werden. Einem Puppentheater ähnelnd, fügt der Künstler seine Personen in entrückte Umgebungen ein, verdichtet und erdichtet damit seine Geschichten. Ein komplett neuer Werkblock beschäftigt sich mit der Darstellung von Landschaft – metaphorisch und auch ganz konkret. Die feinen Ölbilder greifen zurück auf ein ganzes Repertoire altmeisterlicher Malerei, werden jedoch stark mit zeitgenössischen Themen aufgeladen. Die Zitate sind unübersehbar; und doch steht ein jedes Bild völlig eigenständig da. Caspar Martigs Fotografien loten präzise und pointiert den Raum zwischen Leben und Tod sowie Schönheit und Hässlichkeit aus. Blutige Tierherzen drapiert er in wunderbare Blumenarrangements und erzeugt damit Bewunderung und Ekel zugleich. Die aufgeladenen Blumenstillleben wirken wie ephemere Installationen oder Skulpturen, deren flüchtige Existenz schliesslich doch bloss als Fotografien überdauern. Annina Matters konzeptuelle Interventionen und Skulpturen sind ein spannender Beitrag zum Erfahren von Räumlichkeit; auch wenn sie oft im Zweidimensionalen bleibt, oder besser gesagt im ‹fast Zweidimensionalen›, also nahe an der Plastik operiert. Ihre eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeit knüpft an an vorangegangene Arbeiten. Sie zitiert, sich der Kunstgeschichte erinnernd, und schafft so immer wieder aufs Neue eine perfekte Verschmelzung von Farbe und Gegenstand. Urs Zahn schliesslich ist ein ‹Bastler› im besten Sinne des Wortes, und das Ausloten spannender Raumsituationen/-konstellationen ist sein zentrales Anliegen. So sind es denn immer wieder Räume, die er mittels Holzleisten, Zeltstangen und allerlei Beiwerk eigenwillig interpretiert und erfahrbar macht. Minutiös verarbeitet, geben sie ein komplexes Raumgefüge vor, in welchem sich die BetrachterInnen auf-halten können und sollen. Diese Konstruktionen bilden meist eine unabdingbare Notwendigkeit für Bilder und Objekte, die in Referenz dazu gehängt oder gestellt werden. Er beschäftigt sich aber auch intensiv mit speziellen Motiven, wie Pflanzen oder Gartenmobiliar, die er als Objekte oder in eigenwilligen Papierarbeiten erforscht und künstlerisch umsetzt.

Bernhard Bischoff, Oktober 2009