08.2019

Reto Leibundgut: ‹Flora›

26.4.-4.6.2011

 

 

«Jungfrau XVI», 2010, Kunstharz auf Holz, 45 x 50,5 cm
«Jungfrau XVI», 2010, Kunstharz auf Holz, 45 x 50,5 cm
«Jungfrau XVIII», 2010, Kunstharzfarbe auf Holz, 66 x 60,5 cm
«Jungfrau XVIII», 2010, Kunstharzfarbe auf Holz, 66 x 60,5 cm
«Irina», 2006, Mischtechnik auf Holz, 64,5 x 95,5 cm
«Irina», 2006, Mischtechnik auf Holz, 64,5 x 95,5 cm
Fuchs, 2009/2011, Silber, partiell vergoldet, ca. 3 x 6 x 4,5 cm, Unikat
Fuchs, 2009/2011, Silber, partiell vergoldet, ca. 3 x 6 x 4,5 cm, Unikat
Hund, 2009/2011, Silber, partiell vergoldet, ca. 4 x 9,5 x 1,5 cm, Unikat
Hund, 2009/2011, Silber, partiell vergoldet, ca. 4 x 9,5 x 1,5 cm, Unikat
«Zwiebel», 2011, Gobelin (Wolle auf Stramin auf Holz), 35 x 25 cm
«Zwiebel», 2011, Gobelin (Wolle auf Stramin auf Holz), 35 x 25 cm

Seit dem Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigt sich Reto Leibundgut ausschliesslich mit gebrauchtem, altem “Material”. Die umfangreichen “Material(an)sammlungen” machen denn auch die Essenz seiner Arbeiten aus. Meistens sind es Werkstoffe wie Holz, Leder, Plastik oder Textilien, die er aufwändig verarbeitet und in einen neuen Kontext stellt. Dabei interessiert ihn vor allem der Aspekt, wie “schäbiges” Material in einem liebevollen und sorgfältigen Verarbeitungsprozess eine neue, Staunen erzeugende Präsenz erfährt. Inhaltlich recycliert er nicht nur Material, sondern auch Bilder. Als Vorlagen dienen ihm etwa alte Gobelinstickereien, Stills aus Pornofilmen oder Fotografien. Mittels traditionellen, vermeintlich verstaubter Techniken, wie Intarsien oder Stickereien, werden Inhalte in eine neue Dimension transferiert und gewohnte Sehweisen hinterfragt und irritiert.

 

Bei allen Arbeiten Reto Leibundguts handelt es sich um Kunst mit einer verwirrenden Direktheit, um Kunst, die sich alter Materialien und Techniken bedient und trotzdem höchst aktuell ist. Er führt uns an der Nase herum und evoziert mit der vermeintlichen Perfektion ein nicht zu leugnendes Unbehagen. Auf der einen Seite ziehen die minutiös gearbeiteten Stücke angenehm an, auf der anderen Seite wird man durch die rohe, grobe Machart manchmal abgestossen. Für die Ausstellung FLORA hat er die Serie “Stars“ erweitert, feine handgestickte Gobelins, bei denen Frauengesichter mit Sternen oder Balken abgedeckt wurden; dazu hat er aber auch “Patchworkbilder“ aus alten Blumengobelins geschaffen, die er in einen spannenden Dialog mit neuen Intarsien aus der Serie “Virgins” sowie Silberfigurinen bringt. So entsteht ein Panoptikum in verschiedene Richtungen: florale Motive stehen neben Tierdarstellungen sowie vermeintlichen Heiligenbildern aus dem 21. Jahrhundert. Girlanden aus aufgesägten Zinnkannen verbinden die Räume und Arbeiten – wunderbar – typisch – Leibundgut eben!

Bernhard Bischoff, 2011