08.2019

Marius Lüscher: ‹Constellation and Desire›

9.6.-20.8.2011

«o. T.», 2011, Öl auf Leinwand, 220 x 170 cm
«o. T.», 2011, Öl auf Leinwand, 220 x 170 cm
«o. T.», 2011, Öl auf Leinwand, 220 x 170 cm
«o. T.», 2011, Öl auf Leinwand, 220 x 170 cm

Marius Lüschers malerisches Werk zeichnet sich durch zwei Hauptstilrichtungen aus. Einerseits, und den wichtigeren Teil einnehmend, finden sich gegenstandslose Bilder, bei denen er mit dem Pinsel dünn Ölfarbe aufträgt und sich so durch zig Schichten hindurch arbeitet. Farbverläufe, lasierend eingesetzter Farbauftrag und den Fluss der nassen Farbe nutzt er geschickt für spannende Kompositionen. Linien mäandrieren, Formen lösen sich auf, Flächen strukturieren die fein aufgebaute, pseudoorganische Struktur. Mittels Farbstempeln löscht er aus, überdeckt er – die Bilder wachsen aus dem vermeintlichen Zufall – und enden im Zufall. Marius Lüscher spricht denn auch von zufälligen Konstellationen, als von erdachten Kompositionen. Und doch wirken die Bilder nicht voll gestopft. Der weisse Hintergrund gibt den kräftigen Farben den nötigen Halt und lässt sie atmen. Die Gebilde sind zart komponiert; immer findet sich auch ein ungewohnter Bildaufbau. “Ohne Titel“ ist für einmal kein leeres Wort; denn nur er lässt die vielen Assoziationsmöglichkeiten zu, zu denen einen die Werke einladen.

 

Neben diesen abstrakten Bildwelten arbeitet Marius Lüscher andererseits auch an monochromen oder zweifarbigen, geometrisch strukturierten Farbfeldmalereien. Klare Formen teilen dabei die Bildfläche ein. Mit dickem Farbauftrag hat er mittels deutlich sichtbaren Pinselstrichen faszinierende Bildwelten geschaffen, deren Farbenspiele erst mit wechselnden Lichtverhältnissen ganz erfasst werden können. Diese vollflächig gemalten, weissen und schwarzen Arbeiten besetzen den Raum und die Leinwand, nutzen jeden Quadratzentimeter von letzterer aus, ziehen die BetrachterInnen förmlich ins Bild hinein. Seine neusten Arbeiten in dieser Serie sind schlichte Kreuze, die auf den ersten Blick gleich, auf den zweiten Blick aber völlig verschieden erscheinen. Auch hier sucht der Künstler den Zufall, der sich denn auch beim zweiten Blick manifestiert – seine Arbeiten sind alles andere als durchgerechnete, konkrete Konstruktionen, sondern atmen, im strengen Korsett der Geometrie, laut und deutlich die “Freiheit“ der Konstellationen.

 

Bernhard Bischoff, 2009/2011