‹Shaping›: Elsbeth Böniger, Marius Lüscher, Laurent Schmid

17.8.–23.9.06

Der Begriff ‹Traffic Shaping› bezeichnet ein Verfahren in der Telekommunikation, bei dem der Datenfluss beim Senden von IP-Paketen oder anderen Transfer-Einheiten nach definierten Kriterien gesteuert wird. Es ist unidirektional, das heißt, es arbeitet ohne Steuerinformationen der Gegenseite. In Shaping steckt das Wort ‹Shape›, also Form. Kunst hat stets mit Form zu tun. Die Ausstellung Shaping spielt nun mit den beiden Deutungsmöglichkeiten des Worts. Einerseits sind da kleine Datenpakete, also Kunstimpulse, die von der Künstlerin und den beiden Künstlern gesendet werden, andererseits beschäftigen sich alle drei mit der Form, also dem ‹Wie› etwas auszusehen hat.

Elsbeth Böniger ist eine Künstlerin mit vielschichtiger Tätigkeit. Alchemistische Malerin, die sich in der letzen Zeit an aufwändige, grossformatige Landschaftsbilder, die sie mit dem gesteuerten Zufall malt, hinwendete, dann Tüftlerin, die üppige Materialbilder aus verschiedens-ten Baumaterialien komponiert, dann aber auch Plastikerin, die den Begriff des ‹Readyma-des› im Sinne einer bearbeiteten Appropriation weiter ausdehnte. Ihre veredelten Alltagsgegenstände sind universelle Designprodukte, die man als solche nicht unbedingt erkennt, etwa Surfbretter oder Transportpaletten.

Der Berner Marius Lüscher ist Autodidakt. 10 Jahre lang arbeitete er im stillen Kämmerlein an einem beeindruckenden Oeuvre. Nach einem kurzen Auftritt in der Aarauer Weihnachtsausstellung ist zum ersten Mal eine grössere Werkgruppe von ihm öffentlich zu sehen. Waren es vorerst einfache Materialversuche, entwickelte sich die Malerei in zwei Richtungen. Auf der einen Seite sind da abstrakte Bilder, die wegen ihrer mutigen Farbwahl sofort auffallen. Mit breitem Pinsel trägt er dick Ölfarbe auf und arbeitet sich so durch zig Schichten hindurch. Farbverläufe und der Fluss der nassen Farbe nutzt er geschickt für spannende Kompositionen. Die andere Richtung seiner Malerei sind nahe an der Abstraktion stehende Bilder, die an ‹Sience-Fiction›-Gebilde erinnern. So erstaunt es denn auch nicht, dass Lüscher von seiner Passion für solche Bücher erzählt. Sind es bei den kleineren Formaten eine Art Helm oder Roboter, sind es bei den grösseren eher Behausungen oder Transportmittel.

Laurent Schmid macht in letzter Zeit vor allem durch seine komplexen interaktiven Installationen auf sich aufmerksam. Als einer der Pioniere der Multimediakunst begann er früh, die technischen Möglichkeiten des Computers auszunutzen. Seine Arbeiten überlagern sich oft in mehreren Schichten, etwa in Form von Computervorgängen, die auf Wandmalereien projiziert werden. Sein thematisches Fundament erarbeitet er sich in intensiven Recherchen. So bringt er etwa beim Auftauchen von BesucherInnen plötzlich verschwindende Würmchen (alles in Realtime vom Computer gerechnet) mit ständig auf der Hut seienden ‹Sanspapiers› in Paris in Verbindung. Sein zeichnerisches Werk kennen die meisten nur in Form von zeichnerisch überarbeiteten Fotografien. Er zeichnet aber schon lange mit Bleistift und Tusche auf blankes Papier. In der Ausstellung sind seine neusten Tuschezeichnungen zu sehen, die oft tiefgründig mit viel Witz und Ironie gespickt sind.

Bernhard Bischoff, August 2006