Christian Denzler

‹Bleistift auf Papier›

21.9. – 20.10.2018

Eröffnung Donnerstag 20.9.2018, 18-20h

 

 

 

Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 80 x 60 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 115 x 80 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 59 x 46 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 60 x 47 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 59 x 48 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 75 x 55 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 78 x 64 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 55 x 68 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 78 x 60 cm
Christian Denzler, «o.T.», 2018, Bleistift auf Papier, 75 x 58 cm

Christian Denzler (1966) lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Bern und Brüssel. Neben seinen zeichnerischen und malerischen Arbeiten, Installationen und Objekten beschäftigt er sich immer wieder mit Sprache, schreibt Gedichte, Prosa sowie Texte zum Oeuvre von befreundeten Künstlern.

Die Auseinandersetzung mit dem Körper zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Die Formen erscheinen zart angehaucht, das “Stricheln“ mit dem Bleistift ähnelt dem “Streicheln“ auf der Haut. Die Linien seiner Zeichnungen sind derart fein ausgeführt, die Übergänge von hell und dunkel so subtil, dass der Betrachter verunsichert ist, ob die Figuren gerade am Auftauchen oder am Verschwinden sind. Genau dieser undefinierte Zwischenbereich interessiert den Künstler, das Gleichgewicht zwischen Verdichtung und Auflösung, der magische Moment der Anziehung und des Abstossens.

Christian Denzler hat für die Ausstellung ‹Bleistift auf Papier› eine Vielzahl an neuen Zeichnungen in diversen Formaten geschaffen. Der Künstler hat sich selbst drei Fragen gestellt und beantwortet: 

Seit Deiner letzten Ausstellung bei uns sind drei Jahre vergangen. Weshalb hat es so lange gedauert?

Ich habe vor allem geschrieben. Gedichte, Prosa, aber auch Liedtexte für meinen Freund Simon Hostettler. Gemeinsam haben wir die CD „Bruxelles“ aufgenommen, eine Art Stimmungsbild aus der Stadt, in der ich nun seit bald fünfundzwanzig Jahren lebe. Und ich habe über Kunst nachgedacht. Mit den letzten Kinderzeichnungen brechen Form und Inhalt unwiederbringlich auseinander. Später fällt Dir die Kunstgeschichte auf den Kopf, und du verlierst ein zweites Mal deine Unschuld. Und irgendwann schlägt dir der Kunstmarkt auf den Magen. Und der Rotwein, und die Zigaretten, oder alles zusammen. Es gibt Themen, die dich nicht loslassen, und die sich in all den Jahren wie ein roter Faden durch deine Arbeit ziehen. Aber im Grunde genommen ist es immer nur ein Streben nach jener verlorenen Einheit von Darstellung und Ausdruck. Und daran kann man verzweifeln.

Kannst Du etwas zur Ausstellung sagen? Wie ist sie entstanden?

Ich hatte eine Stimmung im Kopf von den Räumen. Wie sie wirken sollten. Nicht zu schwer und nicht zu leicht. Eine Vorstellung von der Farbe der Wände. Ich wünschte mir halbtransparente Vorhänge, die den Ausstellungsbesucher dem Treiben draussen vor den Fenstern ein wenig entrücken. Und ich wollte mich auf Zeichnungen beschränken. Die denkbar gewöhnlichste aller Versuchsanordnungen: Bleistift und Papier. Gleichzeitig habe ich versucht, so wenig wie möglich an die Ausstellung als Ganzes zu denken, nicht in Werkgruppen zu unterteilen, sondern jede Zeichnung aus sich selbst heraus entstehen zu lassen. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, sind in Wirklichkeit unterschiedliche Annäherungsweisen auf derselben Suche. Auf die Frage nach der menschlichen Erscheinung. 

Und der Hase?

Als Kind bekam ich von meiner Grossmutter jedes Jahr zu Weihnachten einen Band von „Knaurs Tierreich in Farben“ geschenkt. Und in der Ausgabe über Säugetiere bin ich auf eine ganzseitige Abbildung eines Antilopenhasen gestossen. Ein Wüstenbild, das mich ungemein beschäftigt hat. Vor einem halben Jahr habe ich das Buch in einem Antiquariat wiederentdeckt. Ikonografisch steht der Hase für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt und taucht in der Kunstgeschichte immer wieder auf. Bei Dürer natürlich, oder als Reminiszenz darauf etwa in einem Frühwerk von Polke auf farbigem Stoffhintergrund. Dieter Roth hat Hasen aus Kuhmist geknetet und Beuys hat in einer Düsseldorfer Galerie einem toten Hasen seine Kunst erklärt. Und dabei hat er die Bilder und Objekte nicht einfach einem leblosen Tier erklärt. Und ich habe als Kind auch nicht den Hasen gesehen, wenn ich mich wieder und wieder in jene Schwarz-Weiss-Aufnahme vertiefte, sondern die Kreatur dahinter. Als Metapher für uns selbst. Dafür, was uns verbindet, und was uns anzieht. Und was uns erschrocken macht. Und was uns verstört.

Fotos: Fabrice Schneider, Brüssel