‹THE BIG ONE. Paintings and Film›: Com&Com (Gossolt/Hedinger) / ‹The Prison Drawings›: Thomas G.

9.3.-14.4.07

Sowohl Com&Com (Gossolt/Hedinger), wie auch Thomas G. arbeiten an Schnittstellen von Kunst und Medien. Während Com&Com konsequent die Medien hinterfragen und hinters Licht führen, arbeitet Thomas G. mit medialen Fundstücken, die er auf verschiedenste Weise weiter bearbeitet. Entstanden ist eine eigentliche Medienausstellung, auch wenn die visual-sierte Form aus den klassischen Sparten Malerei und Zeichnung besteht. Die beiden gezeigten Werkkomplexe haben weder inhaltlich, noch formal etwas miteinander zu tun. Trotzdem spürt man eine Verwandtschaft in der künstlerischen Haltung, was sich positiv auf die Gesamtausstellung auswirkt.

Com&Com zeigen zum ersten Mal eine grössere Werkgruppe ihrer abstrakten Malerei. ‹The Big One› ist transmediales Kunstprojekt aus Film, Fotografie, Malerei, Musik und Installation und führt einen ästhetischen Dialog zwischen Bild, Raum, Ton und Bewegung, sowie zwischen Abstraktion und Realität. Der kurze Spielfilm ‹The Big One› bestand aus ca. 80 % "roadmovieartigen", realen Filmsequenzen und 20 % abstrakt-digitalen Animationen - eine schöne Umsetzung von Realität und Traumwelt. Die abstrakt-digitalen Animationen boten die Grundlage für die Malerei; die Farben und Formen der Animationen generieren sich jeweils aus der vorangegangenen Realfilmszene und deren Aussage. In unvergleichlicher Technik haben sie sphärische Arbeiten realisiert und damit einen besonderen Beitrag zum aktuellen Malereidiskurs geschaffen. Com&Com (Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt) setzen mit der gezeigten Malerei die mediale Weiterführung ihres Werkes fort. Entstanden sind Arbeiten, aufwändig in Paintbrush-Technik Acryl auf Leinwand hergestellt, die monumental und zerbrechlich zugleich wirken.

Thomas G. ist Meister des "Found Footage". Mittels intensiver Recherchen fand er Zeichnungen, die GefängnisinsassInnen während ihrer Haftstrafe realisierten. Es handelt sich um Zeichnungen von Gefangenen verschiedenster kultureller Herkunft und Zeitepochen. Die älteste, von Nasta Rojc geht auf eine Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg zurück. Eine Serie aus den Siebzigerjahren stammt von Mitgliedern der Manson Family; Patricia Krenwinkel, Leslie van Houten und Charles Manson selbst. Dann mehrere Zeichnungen von John W. Gacy, der sich seinen Lebensunterhalt als Clown verdiente. Die neuesten Zeichnungen aus den letzten Jahren, alle ohne Titel und ohne Angabe einer Person, stehen im Zusammenhang mit politischer Gefangenschaft und “9/11“. Thomas G. reproduzierte die Arbeiten zeichnerisch und wählte 33 Blätter für die Accrochage "The Prison Drawings" aus. Durch den kontextuellen Transfer wird die Arbeit neu aufgeladen. Im Sinne der “Appropriation Art“ hat er die Werke der GefängnisinsassInnen nachgezeichnet – entstanden ist eine eindrückliche Serie, die einen in die Tiefen menschlicher Existenz blicken lässt.

Bernhard Bischoff, März 2007