07.2019

Elsbeth Böniger

‹Prozesse 2004-2019›

Kuratiert von Susanne Schneemann

 

16.8. – 14.9.2019

Eröffnung Donnerstag 15.8.2019, 18-20h

 

Elsbeth Böniger, «5050 (Serie Inseln)«, 2018, Mixed Media/Leinwand, 230 x 90 cm
Elsbeth Böniger, «Bodenschatz Borneo», 2018-19, Mixed Media/Plexiglas, 200 x 70 cm
Elsbeth Böniger, «Drei Nüsse (Serie Inseln)», 2019, Mixed Media/Leinwand, 230 x 90 cm
Elsbeth Böniger, «Gleichseitig (Serie Inseln)», 2019, Mixed Media/Leinwand, 230 x 90 cm
Elsbeth Böniger, «Schlingpflanzen», 2018, Öl/Leinwand, 140 x 140 cm
Elsbeth Böniger, «Weiterdenken (Serie Inseln)», 2019, Mixed Media/Leinwand, 230 x 90 cm
Elsbeth Böniger, «Zeitkorridore (Serie Inseln)», 2018-19, Mixed Media/Leinwand, 230 x 90 cm
Elsbeth Böniger, «Mündung», 2018/19, Öl/Alucorplatte, 140 x 140 cm
Elsbeth Böniger, «Fleur flottante», 2018, Ölfarbe/Alucorplatte, 208 x 125 cm
Elsbeth Böniger, «Inselwelten (Serie Inseln)», 2019, Mixed Media/Leinwand, 230 x 90 cm

Prozesse der Bildgebung

Die Ausstellung in der Galerie Bischoff & Partner bietet erstmals die Möglichkeit, das künstlerische Werk von Elsbeth Böniger im Zeitraffer anzuschauen – in der gebundenen Form eines Buches. Die ersten der insgesamt 83 Seiten entstanden 2004, die letzten stammen vom Mai dieses Jahres. 15 Jahre künstlerischer Produktion sind sichtbar in dem für die Ausstellung produzierten Film vom Buch, das aufgrund seiner Fragilität das «abwesende» Zentrum bildet.

Bernhard Bischoff berichtet, Elsbeth Böniger habe schon immer Bücher hergestellt. Sie wurden ausgewählt meist aufgrund der Beschaffenheit bzw. Struktur ihres Papiers, vom Dünndruck bis zur gestanzten Brailleschrift. Das Buch erhielt eine neue Aufgabe jenseits des Lesens – als Träger von Ölmalerei. Die Bestimmung des Buches als Format, Sprache in Form von Schrift zu vermitteln, ist gebrochen. Bönigers Bücher transportieren die Sprache ihrer Malerei. Sie zu erkunden heisst, die Prozesse ihrer Entstehung zu verstehen. Dabei müssen wir weder ein neues Alphabet lernen noch uns in die Geisteswelt der Künstlerin versenken. Wir müssen «nur» schauen. Diese vielleicht simple Aufgabenstellung wird bei der Malerei von Elsbeth Böniger zur Herausforderung.

Im ersten Raum bietet die Ausstellung zunächst die Möglichkeit via erhöhtem Betrachterstandpunkt, auf die am Boden liegenden Bilder der Serie «Inseln» (2018/19) zu blicken. Die im silbrigen Licht schimmernden Leinwände mit ihren sprechenden Titeln wie «Zeitkorridore», «Weiterdenken» oder «Drei Nüsse» entstanden von einem Malsteg aus. Schicht auf Schicht wurde die Ölfarbe aufgetragen, Flussmittel zugefügt und so mancher alchimistischer Zusatz aus Bönigers unerschöpflicher Kenntnis über die Wandelbarkeit von Ölfarbe, kenntlich im kleinen Zusatz «mixed Media», kam zum Einsatz. Auf den Leinwänden manifestiert sich die Farbe mal schwimmend, mal eruptiv oder splitternd. Das Auge sucht Halt, taucht in die malerischen Oberflächen ein und erlebt den Prozess der Malerei als Naherfahrung im grenzüberschreitenden Auf-, Über-, Neben- und Miteinander der Farben.

Im zweiten Raum steht eine grosse hölzerne Ablage aus dem Atelier Bönigers, bestückt mit zahlreichen der kleineren Bücher, die die Künstlerin seit 2004 geschaffen hat. Das Papier erlebt durch die Ölmalerei so manche Metamorphose, die das Material bis und über seine Grenzen ausreizt. Die an die Wände gelehnten grossen Arbeiten zeigen sich unter den gleichen Bedingungen, wie sie im Atelier zum Zeitpunkt der Trocknung herrschen, aufgereiht und auf Holzblöcken ruhend. Dieser Zustand ihrer Präsentation vermittelt einen Referenzpunkt der Vorvergangenheit. Die Trocknung ist gemeinhin ein wichtiger Zeitfaktor der Ölmalerei, aber für die Arbeiten Bönigers ist sie mehr als eine Notwendigkeit. Es dauert Tage, manchmal sogar Wochen bis sich die Ölschichten mit ihren Gründen vereinigen und ihre finale Oberflächenstruktur erkennen lassen. Sie sehend zu erforschen, bringt die Betrachtenden in die Nähe der Künstlerin, die als philosophische Anthropologin das Wesen der Malerei untersucht. Dieses Untersuchungsfeld breitet die Ausstellung vor uns aus – ihr abwesendes Zentrum bleibt das Buch.

 

Zur Finissage wird das Buch in Anwesenheit der Künstlerin für eine Stunde zur Ansicht bereit liegen.

 

Susanne Schneemann, 2019