‹Aux Pays des Merveilles›: Christian Indermühle, Elisabeth Llach

 16.6.–13.8.05

Mit Christian Indermühle und Elisabeth Llach sind wiederum zwei sehr unterschiedliche künstlerische Positionen zu sehen. ‹Aux Pays des Merveilles› entführt die BesucherInnen in besondere Sehwelten, fiktive und reale Lebensorte, die manchmal schwer auseinander zu halten sind. Da es in künstlerischer Hinsicht nicht nur eine solche Märchenwelt gibt, steht der Titel auch im Plural.

Christian Indermühle zeigt neue, grossformatige Fotografien, die auf seinen ausgedehnten Reisen entstanden sind. Wie entrückt, offenbaren sich Landschaften von berauschender Schönheit. Verblüffte er im letzten Jahr mit Nachtaufnahmen aus den Alpen, bei denen einzig das diffuse Mondlicht die verschneiten Berghänge beleuchtete, so sind es in diesem Jahr vor allem Aufnahmen aus Nepal und China, die eine neue Ästhetik in seine Arbeit bringen. Die Übergänge von Urwäldern zu Flusslandschaften oder die fein geschwungenen Hochebenen aus dem Kathmandu-Tal sind verblüffende Landschaftsarchetypen. Er fotografiert mit der Grossbildkamera. Die neuen Fotoabzüge liess er mit einem hochauflösenden, schwarzweiss Tintenstrahldrucker printen. Die Landschaften in Tinte, einem altbekannten, chinesischen Werkstoff, erfahren damit eine unglaubliche Tiefenwirkung. Wie gemalt, werden die Fotografien aufs Papier gebracht. Zusammen mit den farbigen Arbeiten aus Schottland oder Mooslandschaften aus der Schweiz vermitteln sie einen Überblick über Christian Indermühles jüngste Arbei-ten.

Während bei Christian Indermühle praktisch keine zivilisatorischen Eingriffe, bzw. gar Menschen zu sehen sind, so sind es bei Elisabeth Llach gerade letztere und im besonderen eigenwillige, gemalte Frauenporträts, die zum Nachdenken anregen. Ihre Figuren entstammen allesamt erdachter Märchenwelten, meist basierend auf fotografischen Vorlagen aus der Modeindustrie. In Zeitschriften oder abfotografiert vom TV-Bildschirm findet sie ihre Vorlagen. Die Künstlerin malt mit Acryl auf dickes Papier. Man spürt die Affinität zu ihren Zeichnungen. Skizzenhaft entwickelt sie die Motive zu gekonnten Ensembles, malt Mädchenkörper mit Frauenköpfen und umgekehrt. Immer sind es puppenhafte, aber hinterhältige Plüschszenerien, die anziehen und abstossen zugleich. Themen wie Schönheit, Jugend und Vergänglichkeit verwebt Elisabeth Llach zu unmissverständlichen Kompositionen und operiert damit am Nerv der Zeit. Die Arbeiten erhalten so diejenige Aktualität, die man manchmal in zeitgenössischer Malerei vermisst.

Bernhard Bischoff, Juni 2005