Clare Goodwin – Reto Leibundgut: New Works

17.10.-27.11.04

Clare Goodwin und Reto Leibundgut bespielen die Räume gemeinsam, wenn auch nicht in Form einer direkten Zusammenarbeit. Beide befassen sich in ihren Arbeiten meist mit der Wiederverwendung von vorgefundenem Material. Während Goodwin Bilder aus Zeitschriften oder gefundenen Fotografien malerisch weiter verarbeitet, sind es bei Leibundgut Abfallmaterialien (meist Holz, Leder oder Plastik), die sich in einem aufwändigen Verarbeitungsprozess in hintergründige Installationen/Objekte verwandeln. Die Arbeiten passen zudem bestens zueinander, da beider Fundus ganz klar die formale Sprache der 60er und 70er Jahre ist. Eine spannende Gegenüberstellung von zwei an sich völlig unterschiedlichen Positionen.

Clare Goodwin hat in den letzten Jahren immer wieder mit ihren Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht. Ob Malerei, Installationen, Textarbeiten oder Performances – sie fühlt sich in allen Sparten heimisch. Für die aktuelle Ausstellung zeigt sie ausschliesslich Malerei, wenn auch teils installativ gehängt. In alten Einrichtungskatalogen oder Zeitschriften sucht sie die sie interessierenden Motive. Meist sind es Interieurs, die sie aus ihren Jugendjahren kennt. Maltechnisch meisterhaft umgesetzt, verblüfft sie sodann mit räumlichen Illusionen. Tapetenmuster werden minutiös übertragen, die Szenerie pendelt zwischen opulenter Pop-Art und reduzierter Farbfeldmalerei. Neu überarbeitet sie auch in Brockenstuben gefundene Fotografien, auf denen sie Personen oder Gegenstände mit farbigen Linien einfasst. Diese neuen Arbeiten erlauben es ihr, Raumeinrichtungen und überarbeitete Fotos in einen direkten Dialog, einen installativen Kontext zu bringen.

Leibundgut zeigt vier Arbeiten unterschiedlicher Machart. Für seine drei grossformatigen Schindelbilder hat er Schindeln aus Plastikabfällen ausgeschnitten und fischschuppenartig auf grosse Holztafeln gesetzt. Man fühlt sich erinnert an heruntergekommene Bauernhauswände – wäre da nicht das schillernde Farbspiel der Plastikschnitzel. Regelrecht «malerisch» hat der Künstler Farbverläufe entwickelt, die fesseln und faszinieren. Ein aus alten Ledersofas gefertigtes Schiff liegt in einem Ausstellungsraum zum Auslaufen bereit; oder ist es gerade gestrandet? Gleichzeitig erinnert das Boot an Sitzkissen aus den 70er Jahren und es bleibt die bange Frage, ob man sich nun darauf setzten kann/darf. Leibundguts Holzintarsien sorgten schon vielerorts für Furore. Auch in der Ausstellung nehmen sie einen wichtigen Platz ein und ergänzen die anderen Werke vortrefflich. Als letzte Arbeit hat er zweideutige Haussprüche und Bibelzitate aus Plastikkübeln geschnitten und über einigen Türen angebracht: «Gesegnet seien eure Eingänge und eure Ausgänge» - hereinspaziert!

Bernhard Bischoff, Oktober 2004