‹Twin Waters› Katia Bourdarel, Sylvain Ciavaldini, Antonio Gagliardi

1.2.–8.3.08

Der geheimnisvolle Titel ‹Twin Waters› bildet den Rahmen einer speziellen Ausstellung dreier französischer KünstlerInnen. Alle haben sich bei den aktuell gezeigten Werken mit der Welt über und unter dem Wasser beschäftigt. Die Wasseroberfläche verstehen sie dabei als Spiegel, als Trennlinie zwischen dem Oben und Unten, zwischen Realität und Fiktion, Ernst und Spass oder Diesseits und Jenseits. Die Spiegelung wirkt reflektiv; aber auch als Pforte, um in die Welt darunter einzutauchen. Entstanden sind drei völlig unabhängige Werkgruppen, deren Berührungspunkte das Wasser ist. Sind es bei Katia Bourdarel poetische, märchenhafte Bildwelten, nähern sich die beiden anderen Künstler eher von der humorvollen, zum Teil hintergründigen Seite dem Thema. Und obwohl so verschieden, verbinden sich die Gruppen zu einem spannenden, thematischen Cluster.

Katia Bourdarel zeigt neue Malerei sowie eine wunderbar poetische Videoinstallation. Mit ihren Ölgemälden und Aquarellen lässt sie die BetrachterInnen eintauchen in eine neue Dimension. Sind es bei ‹Naïade› Porträts junger Frauen mit nassen Haaren, die unmittelbar den Blick der BetrachterInnen suchen, so handelt es sich bei der Serie ‹Open Water› um eine Art Märchen, eine Bildergeschichte ohne Anfang und ohne Ende. Einmal mehr wurde dabei ihre Tochter Protagonistin der Geschichte. Mit der Videoinstallation ‹L'inaccessible› setzt sie frühere Arbeiten fort, bei denen der Schattenwurf eines Objektes Teil des Videobildes wird. Ein umgekehrtes Schloss hängt von der Decke, wirkt wie eingetaucht ins Wasser. Auch hier wird man an Märchen erinnert; Katia Bourdarel ist eine Meisterin im Weben von Erzählsträngen – den Ausgang lässt sie meist offen, bzw. bietet einem mehrere Möglichkeiten zum Weiterdenken an.

Anders wirken da die Arbeiten Sylvain Ciavaldinis. Sie sind gespickt mit Ironie und Humor. Die Wandobjekte ‹Splash› sind Wassertropfen, die wie an die Wand geworfen scheinen. Bei einigen Stücken erkennt man einen Fischkopf, bei anderen etwa einen Fischschwanz. Was von Weitem wie eine abstrakte Wandmalerei wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als liebevolle Nachbildungen von Fischen oder Tropfen. Die acht Zeichnungen von Fischen, die sich jeweils, in bester Comicmanier, mittels Sprechblasen an die BetrachterInnen wenden, verleiten zum Schmunzeln; die sonst doch gemeinhin als stumm bekannten Fische singen Rock- und Popsongs. Eine absurde und witzige Welt, wenn da etwa ein Fisch in bester Rolling Stones Manier ‹I can get no satisfaction› trällert...

Antonio Gagliardis zeigt zwei verschiedene Arbeiten. Zum einen sind da seine aus Japanpapier geformten, tierischen Doppelwesen, etwa Hammerhai und Flamingo, die an alte Sagengestalten erinnern. Fein hat er die Verbindung der Tiere herausgearbeitet und sie in beinahe kunsthandwerklicher Art in filigrane Papierobjekte verwandelt. Zum anderen zeigt er reliefartige Wandobjekte aus Holz, Schnecken, deren Schleimspur Botschaften vermittelt – etwa ‹Home Sweet Home›, und wer könnte das besser sagen, als das Tierchen, das sein Haus ständig mit sich rumträgt

Bernhard Bischoff, Januar 2008